Zeitzeugengespräch mit Holocaust-Überlebender Eva Franz

Am 06. März 2018 gab es einen besonderen Vortrag für 30 Schüler der 8. und 9. Klasse: das Zeitzeugengespräch mit der Holocaust-Überlebenden Eva Franz.

Nach der herzlichen Begrüßung unserer beiden Gäste (Eva Franz, sowie Moderatorin Birgit Mair vom Institut ISFBB e.V.) ) durch Schulleiter Werner Leupold begann der Vortrag mit einem kurzen geschichtlichen Überblick von Birgit Mair über das Dritte Reich. Sie erläuterte die Rassengesetze sowie die Entrechtung vieler Menschen in dieser Zeit. Dass sie dabei auch über die Herkunft der Sinti und Roma sowie deren Verfolgung referierte, lag daran, dass Frau Franz zu dieser Minderheit gehört und daher von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.

Danach begann der Bericht von Eva Franz. Sie erzählte von ihrer sehr glücklichen Kindheit in Hessen, von dem Pferdehandel, den ihr Vater betrieb und auch von der Tatsache, dass alle männlichen Mitglieder ihrer Familie in der Wehrmacht kämpften. Dies änderte sich alles, als 1943 die SS kam, ihre gesamte Familie abholte und ins KZ brachte.

So kam sie im Alter von 3 Jahren ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Frau Franz berichtete sehr emotional und häufig unter Tränen von den Erlebnissen, die sie entweder selber noch in Erinnerung hat oder durch Ihren Vater berichtet bekam, der ebenfalls das KZ überlebt hatte.

Ihre ältere Schwester verstarb sehr bald im Konzentrationslager und wurde verbrannt – sie selbst überlebte nur, weil ihr Vater zusätzliche Rationen Essen aus der Küche holte. Als er entdeckt wurde, wurde er dafür öffentlich vor dem versammelten Block ausgepeitscht und anschließend in ein anderes KZ gebracht.

Ihre Mutter kümmerte sich sehr um Eva, beruhigte sie häufig und versuchte sie abzulenken (Bsp.: Als sie nachts aus den Schloten der Krematorien Feuer sahen, erzählte ihr ihre Mutter, dass dort Brot gebacken werde).

Sie und ihre Mutter kamen in den folgenden Jahren ins Frauen KZ Ravensbrück und ins KZ Bergen-Belsen. Dort musste Frau Franz erleben, wie ihre Mutter während der sehr schweren und harten Arbeit mit Steinen einfach tot vor ihr zusammenbrach.

Eine Freundin ihrer Mutter, die sie bereits aus dem KZ Auschwitz-Birkenau kannte, nahm sich ihrer an und betreute sie noch bis Kriegsende. Diese Vertraute ist ebenfalls eine Quelle vieler Geschichten, die die Lebensgeschichte von Eva Franz angehen.

Nach Kriegsende wäre Frau Franz fast als Waise zur Adoption in die USA geschickt worden, jedoch holte sie ihr kurz zuvor ebenfalls aus dem KZ befreiter Vater noch in letztem Moment vor dem Abflug ab. In Fulda traf sich die Familie nach Kriegsende wieder. Hier lebte ihre als „arisch“ deklarierte Großmutter, der man ihre elf Kinder und den Ehemann wegnahm, die als Sinti galten. Nichts war wie vorher, da alle von Evas  Verwandten in den Konzentrationslagern verstarben (nur sie und ihr Vater, eine Großmutter und eine weitläufige Verwandte überlebten), zusätzlich wurden sämtliche Pferde und alles Hab und Gut von den Nazis entwendet.

In der abschließenden Fragerunde beantwortete sie die Schülerfragen sehr offen und ehrlich. Sie erklärte, dass sie keinerlei Hass gegenüber den Deutschen empfinde und gegen die heutigen schon gar nicht, da diese Generation überhaupt nichts mit ihrer Geschichte zu tun habe, jedoch verachte sie jeden, der heute noch rechtsradikales Gedankengut vertritt.

Sie redete den Schülern ins Gewissen, wachsam gegenüber Rechtsradikalismus zu sein und dass sie dankbar dafür sein sollten, dass sie ihre Familien noch haben und diese Zeiten nicht miterleben mussten.

Werner Leupold verabschiedete nach dem eindrucksvollen Vortrag unsere Gäste mit einem kleinen Geschenk und bedankte sich recht herzlich für ihren Besuch.

Auch im Namen aller Schüler und anwesenden Lehrkräfte bedanken wir uns von Herzen bei Frau Franz, dass sie sich bereit erklärt hat, ihre Lebensgeschichte mit uns zu teilen. Alle Anwesenden waren vom sehr persönlichen Bericht über die Gräuel der Nationalsozialisten mehr als bewegt.

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